Verschärfung der EU-Hotelgastrechterichtlinienverordnungentwurfsfassung (EU-HGRiLi): Was kommt denn da für ein Hammer*?

Verschärfung der EU-Hotelgastrechterichtlinienverordnungentwurfsfassung (EU-HGRiLi): Was kommt denn da für ein Hammer*?

Stussburg, 16. November 2018 - Von Carsten Hennig
Nach der Verschärfung der EU-Fahrgastrechte (hammerharte Mehrkosten für die Deutsche Bahn: 50% vom Ticketpreis zurück bei mehr als 1h Verspätung, also gefühlt fast immer nach heutiger Zeitungslektüre in dem so wie immer verspäteten ICE), ist der nächste Klopper in der Mache: Innerhalb des EU-Parlamentes regt sich fast kein Widerstand mehr gegen neue Pläne, auch die Hotel- und Restaurantgastrechte in der Europäischen Union zu verschärfen. Der Strafkatalog ist recht lang und muss hinsichtlich der Besonderheiten des bevorstehenden Brexit ständig überarbeitet werden. So sollen z.B. nicht ganz eichgerecht eingeschenkte Ales in Pubs in Nordirland mit lauwarmen Wasser aufgefüllt werden müssen. Diese Praxis werde von geldgierigen Gastronomen längst im gesamten Vereinigten Königreich gehandhabt und soll zumindest so durch die EU-Hintertür legalisiert werden, da keine hygienerechtlichen Bedenken bestünden, ist zu hören. Pub-Betreiber in der City of London fordern nun lautstark eine Übernahme dieser EU-Regelung. Aber dies nur am Rande.

Dagegen wird die Unruhe im Gastgewerbe hierzulande bei Bekanntwerden weiterer Strafmaßnahmen der EU immer größer. So soll die magenfreundiche Temperatur des kostenlos zu servierenden Leitungswassers von zertifizierten Hygienecheckern flächendeckend kontrolliert werden, um gefährlichen Bauchgrimmen vorzubeugen. Die Mehrkosten der tausendfach einzustellenden und zu verköstigenden Kontrolleuren sollen der Wirtschaft aufgebürdet werden.

Für Entsetzen in den Verbandsetagen und bei Plattformökonomen sorgt allerdings eine neue Richtlinie samt Strafmaßnahme, die enorme Sprengkraft haben könnte. So soll jeder Betrieb oder auch semi-professioneller Gastgeber dazu verpflichtet werden, bei Gästeverbleib von durchschnittlich drei Stunden oder mehr auch Allergiker-gerechte Schlafmöglichkeiten samt Bewirtung (Mindestmaß: löslicher Kaffee und Aufbackbrötchen ohne krebserregende Röstaromen) bereithalten zu müssen. Gäste, die vom langen Rumstehen und freudigen Alkoholgenuss schnell müde würden, sollten sich aus gesundheitsrechtlichen Erwägungen sofort,  d.h. an Ort und Stelle oder zumindest auf demselben Grundstück schlafen legen können. Die Auswirkungen auf Eventlocations, Hochzeitshallen-Betreiber und Konzertveranstalter sind noch nicht absehbar. So soll bereits im Vorfeld der zu erwarteten es EU-Richtlinie die Nachfrage nach mobilen Schlafcontainern - bekannt aus dem Refugee Hospitality Business - sprunghaft angestiegen sein.

Geradezu lachhaft erscheint dagegen ein geplantes EU-Strafmaß bei verspäteter Bereitstellung des gebuchten Hotelzimmers (Dismissed Check-in Time). Bei Verzögerungen von mehr als einer Stunde habe man den zu Recht verärgerten Gast mit Ratenrabatten (-25% auch auf OTA-Wholesalerraten) oder werthaltigen Verzehrgutscheinen (mind. 2 Longdrinks oder gleichwertige handgefertigte Cocktails oder 3 frisch gezapfte Fassbier) zu entschädigen. Verstöße dagegen sollen über eine Webseite bzw. Smartphone-App, wie sie bereits im Schulwesen bei Verstößen gegen die Neutralitätspflicht des Lehrpersonals bekannt sind, erfolgen.

Die komplexen, neuen Gastrechte-Richtlinien - von ersten Journalisten kritisch-verkürzt #hospitalityguestlawbullshit gebrandmarkt - sollen nach ersten Beratungen im EU-Parlament spätestens in der Faschingssaison im kommenden Frühjahr final debattiert werden. Man strebe eine Schlussfassung für Faschingsdienstag am späten Abend an, damit die Vorgaben pünktlich zur Fastenzeit in Kraft treten können, so ein Parlamentarier hinter vorgehaltener Hand.


*Glauben Sie nicht alles, was sie lesen. Tatsächlich könnte es sich auch im Satire, wenn auch gut gemacht, handeln. Aber der Autor dieser Zeilen war sich sicher, dass es unter Umständen soweit kommen könnte, wenn da nicht der Brexit, der Frexit, der Dexit und auch der Ixit wäre...

(Foto: Sipa / Pixabay)

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