Aus die Maus für digitale Dinosaurier

Aus die Maus für digitale DinosaurierWarum nur digitale Hoteliers mit starken Werten den Turnaround in die Zukunft schaffen

Hamburg, im September 2018 - Von Carsten Hennig

Die Macht der Daten-Jockeys ist nicht aufzuhalten: Vor 20 Jahren startete Google, vor zehn Jahren kam das erste iPhone auf den Markt. Seitdem haben sich nahezu alle Medien massiv gewandelt – und die Handelsmacht weiter verschoben. Heute bestimmen ehemaligen Garagen-Start-ups wie Expedia oder Booking die Verteilung von Hotelbuchungen und dominieren Bewertungsportale die tägliche Kärrnerarbeit im Total Quality Management. 

Bereits geringe Änderungen in Algorithmen und Big-Data-Analysen haben gewaltige Auswirkungen auf Auffindbarkeit, Markenpräsenz und User Experience zur Folge. Die zwei vergangenen Meilensteine war der Fokus von Google auf zum mobilen Abruf optimierte Webseiten und die Einführung der EU-Datenschutzgrundverordnung. Nun dürfte jedem noch so stoische Bewahrer bewusst geworden sein, dass ohne persönliche digitale Kompetenz die Zukunft ein unüberwindbares Gebirge sein würde.

Dabei ist die tägliche Digitalisierung der eigenen Tätigkeiten bereits eine hohe Klippe, wie allzu oft zu beobachten ist. Noch immer gebrauche nicht gerade wenige Führungskräfte in Hotellerie und Gastronomie ihre Postings bei Facebook und Instagram zur reinen Selbstdarstellung inklusive Bashing-Kommentare, den unvermeidlichen Selfies und Füße-im-Sand-neben-Bierflasche-Fotos. Und wenn nun ein Endvierziger meint, mit Klicks und Likes im Social Web sei man doch längst bestens digitalisiert, hat die Tragweite der alles umwälzenden technologischen Entwicklungen kaum erfasst.

Digitalisierung klappt nur mit der richtigen Führungskraft

Es geht doch längst darum, die Digitalisierung als Neuerfindung des persönlichen Alltags zu begreifen: Mobile Banking mit dem Smartphone, schnörkellose Kommunikation per Messenger-App, E-Commerce mit 1-Klick-Buy-Funktion und die bunte Welt des Social Web als digitale Bühne für Karriere und Selbsterfüllung gleichermaßen. Gewiss, die Nutzungsdauer des kleinen Helferleins in der Hosentasche nimmt somit stark zu, aber der persönliche nicht-digitale Austausch Aug‘ in Aug‘ gewinnt damit wieder an Bedeutung!

Im Umkehrschluss bedeutet all dies auch: Die Digitalisierung klappt nur mit der richtigen Führungskraft! Digitale Technologien entwickeln sich rasant weiter - um einiges schneller als der Mensch sich anpassen kann - und verlangen den Fachkräften in ihrem Arbeitsalltag einiges ab. Vor diesem Hintergrund wird der Führungsstil wichtiger denn je.

Aber wie sieht richtige Führung im Zuge der Digitalisierung aus? Deutschlands Fachkräfte haben jedenfalls klare Vorstellungen davon, wie sie geführt werden möchten. 94 Prozent bevorzugen eine Führungskraft, die als Vorbild dient, eine Vision vermittelt und ihre Mitarbeiter motiviert - auch transformationaler Führungsstil genannt. Ebenso erwünscht sind Vorgesetzte, die konkrete Ziele formulieren und konstruktive Rückmeldungen geben (strategische Führung, 88 Prozent) sowie wertorientiert handeln und Selbstständigkeit fördern (ethische Führung, 84 Prozent). Dies geht aus einer aktuellen Stepstone-Befragung von 13.500 Fach- und Führungskräften hervor.

Dazu Klartext: "Die Digitalisierung und die sich wandelnden Märkte zwingen Unternehmen dazu, ihre Organisationsstrukturen neu zu denken. Hierbei sind es vor allem Führungskräfte, die sich neu aufstellen müssen. Der alte Führungstyp, der Aufgaben strikt anordnet und Mitarbeiter streng überwacht, kommt immer seltener vor", erläutert Stepstone-Chef Sebastian Dettmers. "Führungskräfte müssen effektiv und menschenorientiert führen, auf ihre Mitarbeiter eingehen und deren individuellen Bedürfnisse und Entwicklung berücksichtigen."

Digitale Ethik muss in den Fokus rücken

Positives Paradebeispiel dazu ist unter etlichen anderen Marco Nussbaum, Co-Founder der quirligen Low-Budget-Hotelmarke Prizeotel (Radisson Hotel Group). Von Anfang an übertrug er die Verantwortungen an die Teammitglieder – und zog sich auf die Beobachterrolle des Elder Statesman mit regulatorischer Funktion zurück. Ebenso als Leuchtturm tut sich Tophotelier Klaus-Michael Schindlmeier („Hotellerie ist Zukunft“) vom Best Western Plus Palatin Hotel Wiesloch hervor: Sein kooperativer Führungsstil basiert auf Geradlinigkeit, Respekt und Anerkennung noch so geringer Leistungen seiner Eleven. Mit dem jungen Hotelkongress „Hotalents“ hat er eine neue Plattform für Werte und Ethik in der erbarmungslosen Digitalisierung initiiert.

Die Auswüchse der Digitalisierung führen stets rasch zu folgenschweren Entscheidungen. Nur weil beispielsweise etwas auf einem anderen Portal ein paar Cent günstiger zu haben ist, ist dies auch ethisch zu rechtfertigen. Verlässlichkeit, Verständnis und Vertrauen sind die Grundpfeiler des „Bonding“, was wir in der schier grenzenlosen Freiheit der digitalen Möglichkeiten in Erinnerung rufen sollten.

Ergo: Digitale Effzienz nutzen, zum Beispiel im Vertrieb, beim Einkauf und beim Recruiting – Direktbuchungen, Direktbewertungen, Direktbewerbungen, sic! – und gleichzeitig die Sinne für gemeinschaftliches Miteinander, fairen Umgang und den persönlich-herzlichen Austausch schärfen. Digitalisierung bedeutet, auf dem großen blauen Ozean zu segeln und sich nicht im Horizont verlieren, sondern Verstand und innere Werte zusammenzuhalten.

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